Ausgabe #312 | 25. Dezember 2025
Einbahnstraßen
Mein Emailaufkommen ist hoch. Zu hoch. Und im Dezember eines jeden Jahres nimmt es noch einmal zu.
Es werden nicht nur mehr Mails. Vor allem werden sie länger.
Sie kennen diese digitalen Weihnachtsbriefe.
Weil digital, gibt es kein Limit. Sie sind ausführlich. Manche zu ausführlich. Vor allem, wenn sei von Menschen kommen, zu denen man kein Verhältnis hat, in deren Verteiler man irgendwie irgendwann einmal gerutscht ist.
Während umfangreiche Briefe früher einmal ein Ausdruck hoher Wertschätzung waren, sind sie im digitalen Zeitalter vor allem eins: unpersönliche Massenware.
Denn wir sollten eines nicht verwechseln: Nur weil uns ein Mensch ausführlich und ungefragt an seinem ganz persönlichen vergangenen Jahr teilhaben lässt, ist da noch nichts persönliches in der Beziehung.
Denn Weihnachtsmails werden nicht individuell verfasst. Es gibt einen Text für alle. Und da der nichts mit der Persönlichkeit des Empfängers zu tun hat, geht es im Grunde nur um den Verfasser und seine Sicht auf die Welt.
Da es keine Mühe macht, noch den ein oder anderen mehr in den Verteiler aufzunehmen, erfahre ich jetzt also im Detail, was Menschen über den Ukraine-Krieg, über Donald Trump, Friedrich Merz oder die Bürgergeld-Reform denken.
Und das oft von Menschen, mit denen ich im vergangenen Jahr kein Wort gesprochen habe. Und vermutlich im Jahr davor auch nicht.
Irgendwie spiegeln diese Weihnachtswirrungen damit auch eine der großen Herausforderungen unserer Demokratie wider: Die Kommunikation wird immer digitaler. Und dabei immer weniger Kommunikation.
Lange Texte abzusenden ist bestenfalls der Auftakt dazu.
Die Versuchung ist groß, das eine mit dem anderen zu verwechseln. Das gilt ganz besonders für jemand, der einen großen Newsletterverteiler bedient. Also auch für mich.
Natürlich gibt es gute Gründe für Newsletter, auch für demokratie.plus. Auch in diesem fünften Jahr in Folge ist die Zahl der Abonnent*innen per Mail oder Linkedin weiter gestiegen. Das freut und motiviert.
Und doch hat so ein Newsletter denselben Nachteil wie vorweihnachtliche Massenmails: Er kann den Dialog nicht ersetzen. Vielleicht fördern. Wenn Sie darüber mit Freund*innen oder Kolleg*innen sprechen.
Oder mit mir.
Demokartie.plus ist eben keine Einbahnstraße. Viele Leser*innen reagieren immer wieder spontan, kommentieren auf LInkedin oder schicken mir Kritik, Zustimmung, Anregungen und weitere Gedanken.
Das geht in der Mailversion des Newsletters ganz einfach: Sie klicken schlicht auf „Antworten“ in Ihrem Mailprogramm. Denn der Newsletter kommt von keiner anonymen „No-Reply“ Adresse – sondern tatsächlich jede Woche direkt aus meinem Postfach.
Auch in Zukunft beantworte ich jede Mail persönlich. Nicht immer sofort, aber so bald es mir möglich ist. Garantiert. Probieren Sie es aus.
Ganz besonders freue ich mich über Themenvorschläge und Berichte aus der eigenen Partizipationspraxis, konkrete Erkenntnisse und Erfahrungen.
Aber auch Kritik ist willkommen.
Denn nur so kann demokratie.plus interessant bleiben und einen Mehrwert bieten. Für Sie. Für andere. Vor allem aber:
Für unsere Demokratie.